Wandern im Schnee

Wandern im Schnee

Raus in die frische Winterluft!

Faszination Winterwandern

Früher, in den »guten alten Zeiten«, als der Winter noch als solcher zu bezeichnen war, lagen die Berge ab Dezember meist schon unter einer meterdicken Schneeschicht begraben. Die Wanderschuhe wurden in den Keller gestellt und gerieten bis auf Weiteres in Vergessenheit. Erst mit dem Frühlingserwachen im April schnürte man wieder seine Stiefel, um dann jenseits der Waldgrenze bauchnabeltief im Schnee zu versinken. Winterwandern war also einigen wenigen Spurpionieren vorbehalten, es sei denn, man war in Talnähe auf den eigens geräumten Wegen unterwegs. In den letzten Jahren hingegen ist Winterwandern fast zum Modesport avanciert. Doch wie kam es zu dieser Trendwende? Liegt es daran, dass die ersten ergiebigen Schneefälle wegen des Klimawandels immer länger auf sich warten lassen und auch höher gelegene Berggipfel selbst im Hochwinter noch begehbar sind? Oder ist der moderne Freizeitmensch im Fitnesszeitalter eher bereit, sich mühsam durch den frischen Schnee zu kämpfen, sofern er denn gefallen ist?

Wandern im Schnee

Winterzauber beim Wandern im Schnee

Jedenfalls überrascht es immer wieder, wie schnell die klassischen Winterberge nach Neuschneefällen gespurt sind. Selbst entlegenere Gipfel werden im Winter von den Wanderern angepeilt. Alle genießen sie neben der klaren Luft die märchenhaften Licht- und Schattenspiele, die die kalte Jahreszeit im Überfluss liefert. Dazu das Knirschen und Funkeln des Schnees in der in sich ruhenden Bergwelt, die geradezu meditative Stimmung verbreitet. Winterwandern erfreut sich großer Beliebtheit, und zwar bei Alt und Jung gleichermaßen.

Beim Winterwandern ist noch viel stärker als im Sommer der Weg das Ziel, die Faszination liegt im Detail: Ein tief verschneiter Wald, bizarr geformte Eiszapfen oder verwunschen gelegene Almen bereiten ebenso viel Freude wie ein Gipfelsieg. Bei der Tourenauswahl ist es dem Autor vor allem auf die Nähe zur Natur angekommen. Nur selten kommen wir dem Bergbahntourismus oder dem Skirummel in die Quere. Die meisten Touren lassen sich zudem relativ einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschließen und sind im Inhaltsverzeichns entsprechend gekennzeichnet. Auf diese Weise tut der Wanderer nicht nur der Umwelt einen Gefallen, sondern gelangt auch ohne Blechkarawanen und Stau stressfrei an sein Ziel.

Durch Nutzung spezieller Angebote wie dem Wochenendticket der Bundesbahn (DB) oder Bayerischen Oberlandbahn (BOB) fahren Kleingruppen zudem kostengünstig. Außerdem werden attraktive Streckentouren möglich, bei denen man nicht mehr an den Ausgangsort zurückkehren muss. Auskunft über die Fahrpläne erhalten Sie bei der Deutschen Bahn (Tel.: 118 61,) www.bahn.de oder – was die Busse anbelangt – beim Regionalverkehr Oberbayern (Tel.: 089/55 16 40), www.rvo-bus.de. Einige der Touren lassen sich mit einer munteren Rodelpartie verbinden, die den einen oder anderen Abstieg auf dem Forstweg abkürzt und bei Jung und Alt für reichlich Spaß sorgt.

Wandern im Schnee

Winterliche Ruhe am See

Gefahren beim Wandern im Schnee

Bei aller Faszination birgt Winterwandern auch Schattenseiten und Gefahren, die nicht zu unterschätzen sind. Die Tage sind besonders im Hochwinter sehr kurz und die Taktik am Berg somit alles andere als flexibel. Acht bis neun Stunden Helligkeit lassen bei längeren Touren keinen großen Spielraum zu: Wer nicht früh losmarschiert und den Zeitplan konsequent einhält, dem droht als Quittung die Dunkelheit. Die Routen sollten folglich so geplant sein, dass man sich zeitlich und körperlich nicht überfordert.

Bei Schwächeerscheinungen oder Zeitverzug die Wanderung sofort abbrechen und umgehend mit dem Rückweg beginnen. Zeitverzug durch zu lange Pausen im Freien droht im Winter andererseits kaum, dafür ist das Klima zu rau. In ungeschützten Lagen verleiden einem Wind und Kälte oft die Brotzeit und führen zu rascher Abkühlung.

Ein Schluck heißer Tee wirkt oft Wunder und wärmt den Körper rasch wieder auf, bei manchen Touren erfüllt eine Berghütte diese Funktion. Regelmäßige Trinkpausen sind übrigens auch in der kalten Jahreszeit enorm wichtig, um einer Erschöpfung vorzubeugen – selbst wenn man im Allgemeinen weniger schwitzt und daher geringeren Durst verspürt.

Wandern im Schnee

Gemütlicher Winterwanderweg am See

Warm wird es einem auch schnell, wenn man im tiefen Schnee die Spurarbeit übernehmen muss. Vor allem oberhalb der Waldgrenze sind die Wegmarkierungen häufig unter der Schneedecke verborgen, sodass sich der Wanderer auf seinen Spürsinn verlassen muss.

Das Spuren, das im Steilgelände durch mehrmaliges Stampfen stabilisiert werden sollte, erfordert hohen Kraftaufwand und verbraucht nebenbei viel Flüssigkeit. Wanderer ohne Bergerfahrung und Orientierungssinn sollten ihre Tour insbesondere bei schlechten Sichtverhältnissen rasch beenden. Wer sich abseits der geräumten Forstwege bewegt, sollte sich generell über den Wegverlauf im Klaren sein und mit Karte und Kompass umgehen können.

Die Wegbeschaffenheit kann sich von Stunde zu Stunde ändern: Im Aufstieg noch hart gefroren, können sich selbst gespurte Pfade im Abstieg als tückische Fallen erweisen. Nicht selten versinkt man ohne Ankündigung gerade an Stellen, an denen man es nicht erwarten würde, bauchnabeltief im Schnee. Es kommt hin und wieder vor, dass sich der Wanderer in solchen Fällen zwar nicht verletzt, sich aus eigener Kraft jedoch nicht mehr befreien kann. Mindestens zu zweit auf Tour zu gehen ist also im Winter noch wichtiger als im Sommer.

Lawinengefahr einschätzen

Eine der größten Gefahren stellen im Winter die Lawinen dar. Insbesondere nach starken Schneefällen und bei intensiver Sonneneinstrahlung im Spätwinter ist die Lawinenlage im Zielgebiet sorgfältig zu prüfen – entweder via Internet unter www.lawinenwarndienst.bayern.de oder www.lawine.at per Telefon (Bayern: Tel.: 089/29 50 70; Tirol: Tel.: 0043/512 15 88), bei Hüttenwirten, Seilbahnstationen oder Tourismusbüros.

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Sonnencreme nicht vergessen!

Die alpine Lawinenskala umfasst fünf Stufen: Stufe 1 steht für geringe Gefahr, die Tourenbedingungen gelten allgemein als sicher; Stufe 2 birgt mäßige Gefahr, die Problemzonen beschränken sich auf wenige lokale Steilhänge oder -rinnen; bei Stufe 3 ist die Gefahr als erheblich einzustufen, da die Schneedecke insgesamt labil ist; bei Stufe 4 sollten die Alarmglocken schrillen, hier herrscht große Lawinengefahr mit stark eingeschränkten Tourenmöglichkeiten; bei Stufe 5 ist an Touren wegen möglicher gewaltiger Nassschnee- oder Staublawinen nicht zu denken.

Anforderungen und Gehzeiten

Schneelage und Wegbeschaffenheit können sich von Tag zu Tag vollkommen verändern, sodass sich die Schwierigkeiten und Gehzeiten am Berg nur ansatzweise bestimmen lassen. Bei günstigen Verhältnissen etwa können die angegebenen Gehzeiten leicht unterboten werden, während der Wanderer bei viel Schnee den Gipfel oder die Berghütte kaum erreichen wird. Wer einmal eine längere Wegpassage durch tiefen Schnee gespurt hat, weiß, wie kräftezehrend ein solches Unterfangen ist. Bei vereister Route hingegen können bereits harmlose Querungen Kopfzerbrechen bereiten.

Wandern im Schnee

Auch Pausen gehören zum Wandern im Schnee dazu

Die Einteilung in Schwierigkeitsgrade ist zwar gewagter als bei Sommertouren, leistet bei der Routenwahl aber dennoch Entscheidungshilfe: Einfache Touren sind in der Regel kurz, verlaufen zumeist innerhalb der Waldzone und sind dadurch kaum lawinengefährdet. Häufig liegt eine Einkehrmöglichkeit an der Strecke, vielerorts kann auch gerodelt werden. Kurze Tage und etwaiges Schlechtwetter machen kaum zu schaffen. Mittlere Touren erfordern bereits mehr Kraft und Kondition, insgesamt werden die Strecken länger und auch steiler.

Sie führen zum Teil auf höhere Gipfel und erfordern insbesondere bei schlechter Sicht umsichtiges Verhalten. Bei schwierigen Touren können sich die Gipfelanstiege in die Länge ziehen, sodass früher Aufbruch wegen der kurzen Tage unbedingt vonnöten ist. Wenn darüber hinaus Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefragt sind, finden Sie in der Tourencharakteristik einen entsprechenden Vermerk.

Ausrüstung zum Wandern im Schnee

Wandern im Schnee

Ein herrlicher Wintertag

Der Winter hält gleich eine ganze Palette an Wettervarianten bereit, angefangen von Schneefall und eisigem Wind über Regen und Nebel bis hin zu Sonnenschein mit frühlingshaften Temperaturen. Entsprechend wichtig ist es, mit der Bekleidung auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, denn ein Wetterumschwung in den Bergen kann schnell kommen und heftig ausfallen. Idealerweise hält man sich an das »Zwiebelschalen-Prinzip«, das heißt, man hat mehrere dünne Bekleidungsstücke, die sich dann bei Bedarf an- oder ausziehen lassen. Unterste Schicht ist eine atmungsaktive und angenehm zu tragende Unterwäsche, je nach Geschmack mit Lang- oder Kurzarm. Darüber kommt dann am besten eine Fleecejacke, deren Material ebenfalls atmungsaktiv ist. Dies ist insofern wichtig, damit der Schweiß gut nach außen transportiert wird und die Haut trocken bleibt. Sonst ist es einem beim ersten Windzug gleich eiskalt. Oberste Schicht ist entweder eine leichte Windjacke oder eine dickere Skijacke.

Bei frühlingshaften Temperaturen reicht die Windjacke aus, sind Minusgrade angesagt, freut man sich insbesondere auf einem zugigen Gipfel über die warme Daunenjacke. Bei der Hose ist darauf zu achten, dass sie möglichst wasserabweisend ist, ansonsten sollte man unbedingt eine entsprechende Überhose im Gepäck haben, da man mit den Beinen meist recht intensiven Schneekontakt hat. Notfalls reichen auch Gamaschen, die vor allem verhindern, dass Schnee von oben in die Schuhe kommt.

Wandern im Schnee

Grödeln vergindern das Abrutschen bei Glätte

Beim Schuhwerk kann man auf die Wanderschuhe aus dem Sommer zurückgreifen, sofern diese deutlich über die Knöchel reichen und über eine gute Profilsohle verfügen. Sehr wichtig ist die gute Imprägnierung gegen Nässe. Auch beim Rucksack gibt es keine speziellen Winter-Anforderungen, er sollte nur bequem zu tragen sein. Extrem wichtig beim Winterwandern sind warme Handschuhe. Wer möchte, kann seine gefütterten Skihandschuhe nehmen, sehr angenehm sind auch gewirkte Wollhandschuhe. Bei starkem Frost empfiehlt sich die Mitnahme eines Ersatzpaares, da man im Aufstieg meist etwas schwitzt und die Handschuhe dann im Abstieg klamm und kalt werden. Eine warme Mütze darf ebenso wenig fehlen wie ein Schal, der bei Wind und Schneefall schützt.

Wandern im Schnee

Blick in die Ferne

Im Gegensatz dazu ist an schönen Tagen unbedingt Sonnenschutz angesagt, denn die Sonne wird zusätzlich vom Schnee reflektiert, was schnell zu einem Sonnenbrand führen kann. Eine Sonnenschutzcreme sollte mindestens Lichtschutzfaktor 30 haben. Daneben darf eine Sonnenbrille nie fehlen, denn das Licht ist in der Höhe und im Schnee extrem grell. Als Gehhilfe sind Wanderstöcke ideal, die man teleskopartig auf die richtige Länge einstellen kann. Wer seine Stöcke vom Sommer nimmt, sollte die kleinen Teller gegen größere austauschen, damit die Stöcke nicht zu tief im Schnee einsinken können. Für extrem rutschige Stellen sind Grödel zu empfehlen, die man schnell und einfach unter die Schuhe schnallen kann. Mancher nimmt sogar seine Steigeisen mit, um bei vereisten Bedingungen schneller voranzukommen.

Nicht zu vergessen ist die Mitnahme von ausreichend Getränken und Proviant. Selbst wenn auf der Karte eine Hütte eingezeichnet ist, sollte man sich zuvor erkundigen, ob sie im Winter auch geöffnet hat. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich die Mitnahme einer wasserdichten Folie, damit man sich zur Pause auch bequem in den Schnee setzen kann – andernfalls droht eine nasse Hose. Zur eigenen Sicherheit ist eine Taschenlampe angeraten, denn gerade in den Wintermonaten wird es relativ früh dunkel. Außerdem sollte mindestens einmal in der Gruppe ein Erste-Hilfe-Set sowie ein Biwaksack vorhanden sein.

Verhalten im Notfall

Die größte Unfallgefahr im Winter ist das Ausrutschen auf glatter Fläche. Selbst unter frischem und festgetretenem Neuschnee kann an manchen Stellen eine rutschige Eisfläche liegen, auf der man plötzlich den Halt verliert und hinfällt. Häufigste Verletzung dabei sind Knochenbrüche oder Gelenkverletzungen. Der Verletzte sollte – wenn möglich – gleich wieder aufstehen, um nicht am Boden schnell auszukühlen. Ist das nicht möglich, muss man den Verletzten ruhig lagern und unbedingt für Wärmeerhaltung sorgen. Ideal dafür sind ein Biwaksack oder eine beschichtete Rettungsdecke sowie warme Getränke, notfalls geht es auch mit Übertragung von Körperwärme. Verletzungen hingegen kühlt man mit Schnee oder Eis. Benötigt man Rettungskräfte, alarmiert man diese am besten mit dem Handy unter der internationalen Rufnummer 112. Sollte kein ausreichen- des Netz vorhanden sein, empfiehlt sich ein Standortwechsel. Den Rettungskräften sind detaillierte Angaben zu machen:

  • Was ist passiert?
  • Wo ist es passiert?: (Wo war der Ausgangspunkt, wo liegt das Ziel?)
  • Wie viele Verletzte gibt es?
  • Welche Verletzungen sind aufgetreten?

Dann wartet man zunächst, bis weitere Fragen kommen:

  • Wann ist es passiert?
  • Wer meldet den Unfall?
  • Wie ist der Meldende mit Rückruf zu erreichen?
  • Wie ist das Wetter am Unfallort?

Niemals auflegen, bevor die Leitzentrale die Aufnahme des Notfalls bestätigt hat und zum Beenden der Verbindung auffordert. Wenn keine telefonische Verbindung möglich ist, setzt man das alpine Notsignal ab: Sechsmal hintereinander im Abstand von zehn Sekunden ein sichtbares oder akustisches Zeichen abgeben und nach einer Minute Pause wieder von vorne beginnen. Das Signal kann Schwenken mit einem auffallend sichtbaren Hemd oder Tuch, Pfeifen auf einer Trillerpfeife, lautes Hilfe-Rufen oder das laute Anschlagen von zwei Gegenständen sein. Wird das Signal erkannt, erfolgt die Antwort ebenfalls durch sichtbare oder akustische Zeichen, und zwar dreimal hintereinander im Abstand von zwanzig Sekunden. Eine weitere Gefahr besteht durch Erfrierungen an Zehen oder Fingerspitzen, die besonders bei Wind und nasser Kleidung auftreten können.

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Die Bergwacht hilft im Notfall

Erste Anzeichen sind Hautrötungen, in schweren Fällen kann es sogar zu Blasenbildungen kommen. Zur Vorsorge gegen Erfrierungen nimmt man trockene und warme Kleidung (Ersatzwäsche) mit, ansonsten hilft auch gegenseitiges Wärmen. Rubbeln an eiskalten Stellen ist nicht zu empfehlen, da unterkühlte Körperteile anfälliger gegen Verletzungen sind.

Bei akuter Lawinengefahr darf die Wanderung in keinem Fall durchgeführt werden. Im Hochgebirge sollten alle Teilnehmer spätestens ab Warnstufe 3 grundsätzlich nicht nur ein modernes LVS-Suchgerät mit sich führen, sondern auch dessen Anwendung beherrschen. Bei extremen Verhältnissen gehören auch Lawinenschaufel und Lawinensonde mit ins Gepäck. Im Fall eines Lawinenabgangs ist im Lawinenkegel unterhalb des Verschwindepunkts umgehend nach den Verschütteten systematisch zu suchen. Anhaltspunkte geben auch Kleidungsstücke an der Oberfläche. An den georteten Stellen beginnt man vorsichtig mit dem Graben, notfalls auch mit den bloßen Händen. Zudem sollte per Handy schnellstens die Bergrettung alarmiert werden.

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